Frauen in Ghana
entwickeln mit wenig Geld
aus pfiffigen Ideen
florierende Geschäfte.

Kleiner Kredit – große Wirkung

Muhammad Yunus aus Bangladesch hat für seine Idee 2006 den Friedensnobelpreis bekommen: Als Gründer einer Bank für Mikro-Kredite hat er inzwischen vielen Menschen die Möglichkeit eröffnet, sich eine gesicherte Existenz aufzubauen. Das Prinzip: Arme erhalten einen kleinen Kredit für erste Anschaffungen - für einen Laden, eine kleine Landwirtschaft, ein Gewerbe. Wenn sie den zurückgezahlt haben, können sie einen neuen Kredit  bekommen und ihren Betrieb weiter ausbauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Yunus hat mit seiner Grameen Bank ein Prinzip neu ins Leben gerufen, mit dem bereits vor 150 Jahren Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Deutschland Landwirten geholfen hat: Selbsthilfe und Solidarität.

Muhammad Yunus weist in seinem Buch „Die Armut besiegen“ auch nach, dass die Armen ihre kleinen Kredite wesentlich zuverlässiger zurückzahlen als andere Bankkunden. Sie legen die dreistelligen, höchstens kleinen vierstelligen Summen gut an, arbeiten sich in der Regel zielstrebig nach oben. Das gelingt besonders gut, wenn sie in eine Gruppe eingebunden sind, die sich gegenseitig stützt und auch kontrolliert. Und das tun mit 97 Prozent in erster Linie Frauen.
Nicht nur die Grameen Bank hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen – anders als Männer - das erhaltene Geld nicht für sich nutzen, sondern für ihre Familie und deren Zukunft. Außerdem trinken Frauen in den Entwicklungsländern kaum Alkohol, nur wenige rauchen und so kommen sie auch nicht in Versuchung, ihr geliehenes Geld in den Städten zu verpulvern. In seinem Buch beschreibt Yunus, wie bettelarme Frauen mit den Mikro-Krediten in der Hand pfiffige Geschäftsideen entwickelten und nach kurzer Zeit ein die Existenz sicherndes Einkommen erwirtschafteten.

Frauen tragen das Programm

Die Evangelisch-Presbyterianische Kirche von Ghana verfährt nach dem gleichen Prinzip. Sie hat ein Programm für Kleinkredite entwickelt, mit dem sie in der Volta-Region seit einigen Jahren Starthilfen vergibt. Auch hier geht das Geld zu über 90 Prozent an Frauen. Sie bilden eine Gruppe, sparen einen bestimmten Betrag an und erhalten dann einen Kredit zu mäßigen Zinsen, für den sie gegenseitig garantieren. An „normale“ Banken und private Geldverleiher brauchen sie gar nicht erst zu denken – die Banken sind an solchen Mini-Geschäften nicht interessiert, die Verleiher verlangen Wucherzinsen. Die Nachfrage nach den Mikro-Krediten ist deshalb so groß, dass die Kirche das Programm ausweiten möchte. Dafür braucht sie aber selbst Kapital. Die Norddeutsche Mission sammelt deshalb Spenden, um sie an die Partnerkirche in Ghana weitergeben zu können.

Was solch ein Kredit bei einer tatkräftigen Frau bewirken kann, hat im August 2008 „Spiegel“-Autorin Nathalie Klüver in einer Reportage sehr lebendig beschrieben (Spiegel-Online, 31. August 2008): Es ist die Geschichte von Sinina Adbena, die sich selbst helfen konnte, weil ihr am Anfang ein Kleinkredit half. Der Mann weg, sechs Kinder zu ernähren und vor ihr die große Frage: Was wird aus uns? Die couragierte 38-Jährige erfuhr von der Möglichkeit, einen Mikro-Kredit aufzunehmen, gründete mit dem ersten Geld einen Tante-Emma-Laden in ihrem 300-Seelen-Dorf und ist dabei, daneben eine Bar einzurichten.

Pünktlich zahlt sie ihren Kredit zurück und legt nebenher noch Geld beiseite, um ihren Kindern eine Ausbildung finanzieren zu können. Denn das hat sie in den begleitenden Seminaren gelernt: Ohne exakte Planung und eine sorgfältige Buchhaltung läuft der Laden nicht. Man muss wissen, wie man Anträge und andere Formulare ausfüllt, muss klar sagen können, was man möchte und was nicht. In der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche von Ghana kennt man viele Sinina Adbenas – und die Kirche braucht Unterstützung, um sie unterstützen zu können.