Alle sechs Trägerkirchen der Norddeutschen Mission
feiern jährlich am Sonntag Trinitatis
Partnerschaftsgottesdienste
zu einem gemeinsamen Thema.

Frieden als Aufgabe

Gute Partnerschaft will gepflegt und gelegentlich auch gefeiert werden. Das ist lebenserhaltend für einen Verbund wie die  Norddeutsche Mission, deren Mitglieder auf zwei sehr unterschiedlichen Kontinenten leben. Dafür eignet sich besonders der Partnerschaftssonntag. Er soll helfen, Einblicke in die unterschiedlichen Lebenssituationen und Rahmenbedingungen der sechs Mitgliedskirchen zu erhalten. Er findet jeweils am Sonntag nach Pfingsten statt und  bietet Gelegenheit, über den Alltag der Anderen etwas zu lernen und die Bibel mit deren Augen zu lesen. Jede Kirche benennt eine Person oder eine Gruppe, die rechtzeitig das Material für die Gemeinden zusammenstellt und liefert, damit die Gottesdienste mit dem gleichen biblischen Text zum gleichen Thema mit der gleichen Liturgie gefeiert werden können.
 
Ein gelungenes Beispiel für einen solchen Partnerschaftssonntag war der 6. Juni (Trinitatis) 2004. Das Motto für alle Gemeinden, die sich beteiligten, lautete „Gewaltfreie Konfliktaustragung“ – ein Thema, das in Deutschland nicht nur die Kirchen, sondern die ganze  Gesellschaft umtreibt, in Afrika von Kirchen und Hilfsorganisationen in die Gesellschaft hineingetragen wird. Wie wird ein solcher Partnerschaftstag vorbereitet, wer „macht“ ihn, was geschieht vor Ort in der Gemeinde XY? Karl Drüge, Pastor im Ruhestand und ehemaliges Vorstandsmitglied der Norddeutschen Mission aus Bad Salzuflen, hat sich umgehört:

Alles Neue in deutschen Kirchen braucht eine Anlaufzeit, und so ist es nicht verwunderlich, dass manche Kirchenvorstände in diesem Jahr noch zögerten, sich zu beteiligen – zumal viele Gemeinden schon ihre eigene Partnerschaftstradition mit eigenen Terminen entwickelt haben. Aber die Gemeinden, die diesen Tag mit seinem Gottesdienst und seinen Begegnungen mit begangen haben, haben begeistert von ihren Erfahrungen berichtet.

Zunächst lobten alle das ausgezeichnete Vorbereitungsmaterial aus der Feder deutscher und afrikanischer Autorinnen und Autoren, das von der Norddeutschen Mission jedes Jahr neu zusammengestellt wird. Sie bietet ein Paket von Predigtvorschlägen, Texten zum Nach- und Weiterdenken, Lied- und Gebetsvorschläge. Das Thema ist aktuell und geht alle an: „Gewalt verhindert menschliche Entwicklung. Die Lösung von Konflikten bedeutet eine Erneuerung des Lebens.“ Wir durchleben Zeiten, in denen Gewalt die Tagesordnung bestimmt: im Nahen Osten, in Afrika und auch in Europa. Die Gottesdienste am Partnerschaftstag sollten uns zur Besinnung führen, uns ermutigen, auf Gottes Wort neu zu hören, Friedenswege auszuloten und auf diesem Weg Orientierung und Hilfestellung zu finden, „wie wir Christen zu einer Kultur des Friedens beitragen können“.

Von Fedderwardergroden bis Lomé

Das Arbeitsheft zum Partnerschaftsgottesdienst bot gute Beispiele dafür, wie einzelne Christen oder Gemeinden in Deutschland und Afrika handeln können, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Als Gast aus Ghana erinnerte Dr. Cyril Fayose in seinem Beitrag daran, wie „eigene Konflikte und Machtkämpfe in der Kirche diese daran hindern, Frieden in der Welt zu schaffen. Nur wenn die Kirche  vor der eigenen Haustür kehrt, kann sie in der Lage sein, auch bei Anderen für Sauberkeit zu sorgen.“  In kleinen und großen Orten wie Cappel in Lippe, Oldenburg, Altengroden und Fedderwardergroden in Ostfriesland sowie in der Grafschaft Bentheim wurde der Tag begangen - und natürlich auch in Bremen, am Sitz der Norddeutschen Mission. Musik spielte eine große Rolle, dazu gab es Informationen über die Arbeit zum Thema Frieden in den vier deutschen und den beiden afrikanischen evangelischen Kirchen von Togo und Ghana.

Von dort berichtete Pastor Luther Degbovi aus Lomé in einem Brief an die Norddeutsche Mission: Nach einem festlichen Auftaktgottesdienst am Pfingstmontag habe in der darauf folgenden Woche im Collège Protestant ein Menschenrechtskongress mit prominenten Fachreferenten stattgefunden, Thema: „Zu den Rechten der Frauen im  traditionellen Erbschaftsrecht“. Danach habe es eine Gebetsversammlung für die Partnerschaft der sechs in der Norddeutschen Mission verbundenen Kirchen gegeben sowie ein großes kulturelles Festival mit acht Chören, Tanz- und Schauspielgruppen. Die Krönung der Woche und ein voller Erfolg sei dann in Togo der offizielle Partnerschaftsgottesdienst am Sonntag Trinitatis gewesen.

Afrika war an diesem Trinitatis-Sonntag in Fedderwardergroden oder in Rautendorf auf einmal so nah wie Bremen oder Oldenburg in Lomé. Das Gefühl, mit Menschen in Togo und Ghana (und umgekehrt in Norddeutschland) im Glauben wie im praktischen Handeln verbunden zu sein, hat viele Teilnehmende beflügelt, die Norddeutsche Mission weiter zu unterstützen in ihrer Arbeit für den Zusammenhalt der sechs Mitgliedskirchen. Diese positiven Erfahrungen haben sich herumgesprochen: Immer mehr Gemeinden haben sich in den vergangenen Jahren den Feiern am Partnerschaftssonntag angeschlossen und sich mit den jeweiligen aktuellen Themen aus deutscher und aus afrikanischer Perspektive beschäftigt.