Das ganze Evangelium für den ganzen Menschen

Ein theologischer Aufbruch der Kirche in Togo

 

1.
Bisher war es die Aufgabe unserer Kirche, das Evangelium zu verkünden und den Menschen die heilende und stärkende Kraft Jesu Christi vor Augen zu führen.
Neu hinzukommen muss der Hinweis darauf, dass Gott die ganze Welt, in der wir leben, mit dieser Kraft neu machen will.
    
2.
Bisher drehte sich bei uns alles um die Sorge, die Seelen zu retten. In dem, was wir unter „Seele“ verstanden, war nicht das Ganze eines Menschenlebens einbegriffen. Große Theologen aber haben uns klar gemacht, dass die Bibel unter „Seele“ etwas anderes versteht als zum Beispiel die Griechen zur Zeit Jesu. In der Bibel ist mit „Seele“ der ganze Mensch mit seinem mit Leib, seinem Geist und seiner Seele gemeint (1. Mose 2,7).
Neu ist: Die Erlösung durch Jesus Christus betrifft demnach selbstverständlich den ganzen Menschen. Darum muss auch all unser Bemühen und Tun auf diesen ganzen Menschen ausgerichtet sein.

3.
Bisher verstanden wir unter Mission (Evangelisation) die Ausbreitung des Wortes Gottes unter Heiden und Ungläubigen.
Neu ist: Von jetzt an wollen wir diese Aufgabe sehen als das Hineintragen des Wortes Gottes in die unterschiedlichen Bereiche unseres Lebens: in die Welt des Glaubens, des Wissens, der Erkenntnis, des Verstehens, in die Welt, in der wir zusammenleben, in die Welt unserer Nöte, unserer Wünsche und Bestrebungen, in die Welt der natürlichen Dinge, in die Welt unserer Geschichte, Geschehnisse, Ereignisse – so, wie sie mit uns und wir mit ihnen zu tun haben.

4.
Bisher war das Ziel unseres Lebens, dass unsere Seelen in den Himmel kamen. Auch hier ist uns durch das Bemühen großer Theologen deutlich geworden, dass der ganze Mensch in diese neue Welt der Auferstehung hineingehört. Alle Kirchen glauben an die Auferstehung der Toten, und es ist ihre große Hoffnung, dass alle, die durch Christus eine neue Schöpfung geworden sind, am Ende der Welt auferstehen und in das ewige Leben eingehen werden.
Neu ist: Uns ist klar geworden, dass wir das Evangelium auf den ganzen Menschen anwenden müssen, dass schon hier und jetzt unser ganzes diesseitiges Leben eine Neuschöpfung Gottes sein soll.

5.
Bisher sahen wir unser Glaubensleben nur als eine Vorbereitung auf den Auszug aus dieser bösen Welt am Tage unseres Todes an. Glauben ist ein Heraustreten aus der Welt des Bösen, aber nicht erst am Tage unseres Sterbens.
Neu ist: Glaube bedeutet, dass wir uns von der Sünde abwenden und ein neues Leben führen (Römer 6). Dieses neue Leben in der Nachfolge Christi muss sich in der Wandlung und der völligen Veränderung unseres ganzen Lebens offenbaren.

6.
Bisher haben wir den Menschen Hölle und Himmel vor Augen gestellt.
Neu ist: Von jetzt ab soll es unsere Aufgabe  sein, das Leben aus dem Worte Gottes zu bezeugen, indem wir einerseits hinweisen auf die Nichtigkeit des Lebens ohne das Wort Gottes und andererseits auf das allein durch Gottes Wort erschaffene neue Leben - und dass wir so einer durch Gottes Wort erneuerten Welt den Weg bahnen.

7.
Bisher hat unsere Kirche - wie alle großen Kirchen – die Unsterblichkeit der Seele gelehrt.
Neu ist: Wir sollten nun der Bibel folgen und lehren, wie das Leben und Wesen des Menschen durch das ewige Wort Gottes bestimmt wird.

8.
Bisher
betrachteten wir Unterricht, Gottesdienst, Predigt, die Sakramente als die wichtigsten Wege, an den Menschen zu arbeiten. Doch das genügt nicht, um den ganzen Menschen zu erreichen.
Neu ist: Die Kirche muss ihre Glieder darüber belehren, was neue Schöpfung bedeutet und wie man sich in allen Lebensäußerungen zu verhalten hat. (Darüber soll in allen Gemeindekreisen gesprochen werden.)

9.
Bisher haben unsere Gemeinden die Pastoren, Katechisten und Lehrer als diejenigen angesehen, die „ sich darum bemühen sollen, dass Menschen in den Himmel kommen“. Nach unserem Verständnis dessen, was ein Christ ist und was ein Leben des Glaubens bedeutet, muss die Kirche jedem einzelnen Gläubigen helfen, dass er in seinem ganzen Leben das Wort Gottes ausbreite.
Neu ist: Die Kirche sollte deshalb allen Familienvätern und –müttern helfen, dass sie das ganze häusliche Leben auf dem Wort Gottes aufbauen. Die Gemeinde helfe jedem, der mit Christus ein neuer Mensch geworden ist, und jeder helfe dem anderen, mit Christus eine neue Schöpfung zu werden.

10.
Bisher
hatten wir nur Bibel und Gesangbuch zur Förderung des inneren Lebens.
Neu ist: Von jetzt ab wollen wir daran denken, dass wir neben den grundlegenden Büchern Bibel und Gesangbuch auch andere Bücher brauchen, die zur Erbauung der Gemeinde dienen.

11.
Bisher sahen viele nur das Kirchengebäude als den Ort an, wo man Gott dient.
Neu ist: Von jetzt ab sei uns klar, dass jedes Haus für den Christen ein Ort des Gottesdienstes sein soll unter der Mithilfe der Gemeinde.

12.
Bisher haben viele Christen nur an einem von sieben Wochentagen nach Gott gefragt.
Neu ist: Von jetzt ab soll die Kirche jedem helfen, dass er alle Tage mit Gott lebt, dass er allezeit in Christus und Christus allezeit in ihm sei.

Alle diese Änderungen ändern nichts an der Evangelischen Kirche, die wir sind. Sie sollen nur ein Zeichen dafür sein, dass unsere Kirche im Evangelium älter wird und wächst.

Pastor Seth Nomenyoh von der Evangelischen Kirche Togo, 1960er Jahre