Mit der richtigen Unterstützung
könnte aus einer Berufsschule
eine Universität werden.

Die Jugend braucht Ausbildung

Wenn Seth Yeboah träumt, dann sieht er seine Berufsschule schon als zweite technische Universität in Ghana. Der Leiter des kirchlichen Ausbildungszentrums in Alavanyo möchte  seine Einrichtung voran bringen, damit sie jungen Menschen in seiner Heimat einen bestmöglichen Start in einen Beruf und damit  bessere Lebenschancen vermitteln kann.

Alavanyo liegt nördlich der Provinzhauptstadt Ho zwischen dem Voltas-Stausee und der togoischen Grenze. Hier machte eine kleine Selbsthilfe-Initiative den Anfang. 1978 war sie von der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche von Ghana übernommen und zum „E. P. Church Trades Training Center Alavanyo“ ausgebaut worden. Heute bietet sie Ausbildungen im Bauhandwerk, in Schreinerei, Elektroinstallation, Schneiderei und  Hauswirtschaft. Und die Kirche hat noch nachgelegt: Im Business Service Department gibt es jetzt Computerkurse und eine einjährige Ausbildung für Sekretärinnen.

Seth Yeboah kennt sich in seinem Institut und in Alavanyo gut aus – er stammt aus der Gegend und hat selbst in dem kirchlichen Zentrum eine Ausbildung durchlaufen. Und er sieht an seinen eigenen Kindern, wie schwer es für junge Menschen in Ghana ist, einen Beruf zu lernen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen können: „Mir liegt der Unterricht von jungen Menschen sehr am Herzen“, sagt er. „Meine drei Kinder sind zwischen 19 und 21 Jahre alt, da erlebe ich hautnah mit, wie schwer es ist, eine gute Ausbildung zu bekommen. Und wie wichtig die ist, um im Leben eine Chance zu haben.“ Traditionsgemäß arbeiten in den ländlichen Regionen Ghanas die Söhne auf dem Feld ihres Vaters mit. Doch der Ertrag reicht in den meisten Fällen nicht aus, um die ganze Familie zu ernähren.

Aids ist ein wichtiges Thema

Seth Yeboah ist seit langem Lehrer in der beruflichen Bildung. Bevor er nach Alavanyo kam, war er am Zentrum für Nationale Kultur in Ho und hat dort Handwerk und Musik unterrichtet. Das Ausbildungszentrum in Alavanyo hat derzeit gut 300 Schülerinnen und Schüler. Auch als es zeitweise zu ethnischen Auseinandersetzungen kam, stand die Kirche zu ihrer Einrichtung und hielt sie offen: „Ich bin sehr froh“, sagt ein Mitarbeiter, „dass die Evangelical Presbyterian Church zu keiner Zeit daran gedacht hat, den Ausbildungsbetrieb einzustellen. Für ein kirchliches Projekt ist es wichtig, gerade in schwierigen Zeiten die Fackel hoch zu halten. Das gibt den Menschen Hoffnung.“ Die Lage habe sich inzwischen wieder beruhigt. Ein Friedenskomitee sei eingesetzt worden.  

Der Unterricht an der Schule ist breit angelegt: Neben den jeweiligen Fachrichtungen stehen Englisch, Mathematik, Management und Buchhaltung auf dem Lehrplan. Ein wichtiges Thema ist die Aufklärung über HIV/Aids – nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern für die Menschen in der Umgebung. Dazu gehen die Lehrer mit den jungen Leuten gemeinsam in die Dörfer, um dort ihr Wissen weiterzugeben. Unterrichtsmaterial und Ausbilder kosten Geld, das die ghanaische Kirche nicht hat. Deshalb ist die Schule auf Hilfe aus Deutschland angewiesen.

Die wird auch auf anderen Gebieten benötigt: Die Wasserversorgung des Zentrums muss gesichert werden, Computer streiken, die Elektrik ist marode. So mancher Lehrer hat deshalb schon das Handtuch geworfen. „Und wir hätten auch gern bessere Räume für Andachten und Gottesdienste“, ergänzt Seth Yeboah. Die Schülerinnen und Schüler müssen zwar für ihre Ausbildung jährlich 157 Cedis, also 71 Euro, bezahlen, doch diesen Betrag können viele nicht aufbringen. Daher gibt es immer wieder Anfragen nach Stipendien. Die könnten aus Deutschland kommen, ebenso wie weitere Unterstützung für die Ausstattung der Schule. Die Norddeutsche Mission ist die Adresse für Spenden, die hier weiterhelfen.